Beckenring- und Acetabulumfrakturen

Beschreibung, Typen und Ursachen

Brüche im Bereich des Beckenrings und der Hüftgelenkspfanne zählen zu den komplexen Verletzungen, die meist bei Unfällen auftreten. Viele Patienten mit dieser Art Bruch sind schwerverletzt und haben oftmals zusätzliche Verletzungen in anderen Körperregionen. Beckenring- und Acetabulumfrakturen sind Knochenbrüche die einen besonders hohen Versorgungsanspruch besitzen, da sie sich in unmittelbarer Nähe von Nerven und Gefäßen sowie von inneren Organen befinden.

Auch bei älteren Patienten mit Osteoporose nimmt die Zahl der Patienten mit solchen Frakturen zu. Instabile Knochenbrüche entstehen auch ohne schwere Unfälle, da die Knochen teils zu sehr geschwächt sind. Während instabile Beckenringverletzungen im Schockraum mit einer Beckenzwinge als lebensrettender Notfallstabilisierung versorgt werden, erfolgt im weiteren Verlauf, abhängig von der Verletzung die definitive sowohl ventrale als auch dorsale Stabilisierung als auch ISG-Verschraubung bzw. ileosakrale Plattenosteosynthese.

In der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie behandeln wir Knochenbruchstabilisierungen nach dem neuesten Standard mit der Anwendung von minimal-invasiven Operationsmethoden. Auf diese Weise können sämtliche Hüftpfanneneinbrüche (Acetabulumfrakturen) bei Notwendigkeit einer OP-Indikation, sowohl vom dorsalen als auch ventralen ileoinguinalen Zugang operativ stabilisiert werden. Für die Versorgung aller Frakturen steht uns, soweit indiziert, ein winkelstabiles Plattenstabilisierungssystem zur Verfügung.

Symptome und Diagnostik

  • Das erste Symptom sind meist lumbale Rückenschmerzen
  • Fortschreitende Instabilität kann zunehmende und schmerzhafte Gehunfähigkeit bis vollständige Rollstuhlpflichtigkeit verursachen

Verletzungen des Beckenrings entstehen bei älteren Patienten oft durch Bagatelltraumen (Insuffizienzfrakturen). Anfangs sind diese in normalen Röntgenbildern nicht direkt zu sehen.

Betroffene haben jedoch über einen längeren Zeitraum Schmerzen im Beckenbereich und bei Bewegungen. Im Falle solcher Verletzungen sind Computertomografie und Magnetresonanztomografie von großer Bedeutung.

Behandlung

Um eine äußerst genaue Analyse durchzuführen sollten neben der normalen radiologischen Bildgebung (BÜS, Inlet, Outlet) eine Computertomografie (CT) durchgeführt werden. Seltener ist eine kernspintomografische Untersuchung (MRT) vonnöten. Wenn eine genaue Analyse der Fraktur abgeschlossen ist, kann die weitere Therapie festgelegt werden.

Jüngere Patienten erhalten in den meisten Fällen eine anatomische Rekonstruktion der Hüftpfanne durch schonende Operationszugangswege und moderne Implantate. Älteren Patienten hingegen bekommen oftmals eine direkte endoprothetische Versorgung der Verletzung. Der Grund dafür ist der bereits bestehende Verschleiß des Hüftgelenkes (Koxarthrose).

Therapiemöglichkeiten:

  • Spezielle Schmerztherapie für ältere Menschen die an Schmerzen leiden
  • Behandlung zur Sturzprophylaxe
  • Identifikation und Behandlung bei Mangelernährung
  • Überprüfung und Anpassung der Medikation
  • ggf. Überleitungsempfehlungen in die ambulante Versorgung
  • palliative Versorgung am Lebensende