Mehr als nur Medizin

Warum eine Station Raum für Begegnung schafft

Auf einer internistischen Station sind es oft die klinischen Abläufe, die den Takt vorgeben: Visiten, Diagnostik, Therapiepläne. Doch Heilung findet nicht nur im Krankenbett statt. Entsprechend dem Leitbild, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, wurde bewusst ein neuer Weg eingeschlagen: Aus einer anonymen Wartezone ist ein lebendiger Begegnungsraum entstanden.
Ziel ist es, die Passivität des Patientendaseins zu durchbrechen. Häufig verbringen Patienten ihre Zeit damit, auf einen freien Bettplatz zu warten oder sich nach der Aufnahme in ihr Zimmer zurückzuziehen. Der neue Raum soll dazu beitragen, dass sie nicht nur „aushalten“, sondern wirklich ankommen können. Er macht sichtbar, dass im Mittelpunkt nicht in erster Linie organisatorische Abläufe stehen, sondern der Mensch mit seinen sozialen und emotionalen Bedürfnissen. Denn soziale Verbundenheit, Orientierung und ein Gefühl von Zugehörigkeit fördern nachweislich den Heilungsprozess und steigern das Wohlbefinden.
Der Begegnungsraum ist das Herzstück dieses ganzheitlichen Ansatzes. Er bietet eine Umgebung, die bewusst wenig an ein Krankenhaus erinnert. Bequeme Liegesessel und ein Fernseher ermöglichen es, abzuschalten und den Klinikalltag für einen Moment hinter sich zu lassen. Kleine Speisen und Getränke laden zum Verweilen ein, während Gesellschaftsspiele den Austausch fördern und Einsamkeit entgegenwirken.
Ob Patienten bewusst die Nähe zu anderen suchen oder einfach in einem Sessel tief durchatmen möchten – dieser Raum passt sich den Menschen an, nicht umgekehrt.
Wie lebendig dieser Gedanke bereits geworden ist, zeigt sich im Alltag: Die Patientinnen Frau Gudrun Hübler und Frau Gislinde Bräu fanden sich im Begegnungsraum zu einem gemeinsamen Plausch zusammen. Später wollten sie noch eine Runde „Mensch ärgere Dich nicht“ spielen. Der Raum wird somit zu einem Ort, an dem Begegnung ganz selbstverständlich entsteht.
Frau Hübler beschreibt ihre Eindrücke so: „Der Raum ist sehr ordentlich gelungen. Die frischen Blumen machen die Atmosphäre sehr wohnlich. Auch die Zweibettzimmer sind schön, um nette Bekanntschaften zu machen – auch interkulturell.“
Auch Frau Bräu hebt die besondere Qualität des neuen Raumes hervor: „Ich finde den geschaffenen Raum für den persönlichen Austausch unter uns Patienten sehr schön und freue mich besonders über die Bücherauswahl, damit keine Langeweile aufkommt. Die schöne Dekoration schafft Gemütlichkeit und auch die Auswahl der Getränke ist vielfältig.“
Wohlbefinden ist ein wichtiger Baustein der Genesung und somit ein aktiver Teil des Heilungsprozesses. Indem ein Ort geschaffen wurde, der Autonomie und soziale Interaktion fördert, wird auch die psychische Widerstandskraft der Patientinnen und Patienten gestärkt. Denn wer sich willkommen und wertgeschätzt fühlt, kann seine Kräfte zur Genesung schneller mobilisieren.
Cicely Saunders, die Begründerin der modernen Hospizbewegung, brachte diesen Gedanken auf den Punkt: „Heilung beginnt dort, wo man sich nicht mehr als Patient, sondern als Mensch willkommen fühlt.“